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Der Name "Porzellan"

Der Ursprung des Namens liegt im fernen Osten. Dort existiert eine Seeschnecke, die Kaori Schnecke (Bild li.). Es ist eine weiße Muschel, die als Zahlungsmittel verwendet wurde. Das Schneckengehäuse gleicht in seiner äußeren Beschaffenheit dem Porzellan. Weil die Form der Schnecke überdies Ähnlichkeiten mit einem Schweinchen aufweist, hat man in Italien dem neuen blütenweißen Material, das seit der Zeit Marco Polos auf der Halbinsel bekannt wurde, den Namen "porcella" gegeben. "Porcella" bezeichnet im Lateinischen ein kleines weibliches Schweinchen.

Porzellan besteht neben einigen Spurenelementen aus den drei Rohstoffen Kaolin (Porzellanerde, Bild u.l.), Quarz (Bild u.m.) und Feldspat (Bild u.r.). Unterschieden wird zwischen hoch schmelzendem, gegenüber mechanischen Anforderungen und Temperaturwechseln beständigem Hartporzellan und dem empfindlicheren Weichporzellan.

Hartporzellan ist das bei hohen Temperaturen hart gebrannte Porzellan. Das wesentliche Merkmal ist die geringe Transparenz und der hohe Kaolinanteil (50%). Dadurch erhält das gebrannte Produkt eine höhere Schlagfestigkeit und erreicht die höchste Dichte. Hartporzellan enthält keine Knochenasche.
Als Biskuitporzellan, parischem Marmor gleichend, wird unglasiertes Porzellan von hohem Feldspat- und niedrigem Quarzgehalt bezeichnet. Aufgrund der fehlenden Glasur hat es ein marmorähnliches Aussehen. Das Biskuitporzellan ist ein Hartporzellan. Wie fast alle Porzellane wird Biskuitporzellan zweimal gebrannt.

Bone China/Knochenporzellan gehört neben dem traditionellen asiatischen Porzellan zu den Weichporzellanen. Durch die Zugabe von Knochenasche als Flussmittel hat sich der Name "Knochenporzellan" abgeleitet. Es enthält Tierknochenasche bis 50%. Die Mischung wird in ein feines Puder gebrannt und gerieben, um weißes, lichtdurchlässiges Porzellan herzustellen.

Die Ursprünge

Foto: Porzellanmanufaktur Meissen (© Robert) Foto: Porzellanmanufaktur Meissen (© Robert)

Die Geschichte des Porzellans reicht zurück ins 6. Jahrhundert und beginnt in China. Unter der Sui- und der Tang-Dynastie wurde zum ersten Mal Porzellan hergestellt. Die Zusammensetzung des Porzellans aus Feldspat, Kaolin und Quarz und die Methoden seiner Produktion waren lange Zeit ein gut gehütetes Geheimnis. Die weiße Erde Kaolin verleiht dem Porzellan seinen typischen Charakter. Den Namen Kaolin leitete man von dem chinesischen Ortsnamen Gaoling ab, wo bereits im 7. Jahrhundert das weiße Material gefunden und abgebaut wurde. Nach der Entschlüsselung der Porzellanrezeptur war der Siegeszug des weißen Goldes in Europa nicht mehr aufzuhalten. Marco Polo war es, der um 1300 auf seinen Fernreisen durch China Porzellan kennen lernte und es auch in Europa bekannt machte.

Im 14. Jahrhundert erhielt Porzellan im Reich der Mitte einen neuen qualitativen Aufschwung. Die Glasuren, das Dekor und die Malerei verfeinerten sich. Motive mit Drachen, Fischen und Pflanzen zierten die Porzellanteile. Kobaltblau, das die Chinesen aus dem Zweistromland importierten, kam als Farbvariante hinzu. Seine Blütezeit erlebte das chinesische Porzellan unter der Ming-Dynastie, das zu diesem Zeitpunkt eine kaum übertroffene Qualität aufwies. Im 16. Jahrhundert kam Porzellan bereits auf den bekannten Handelsrouten und auf dem Seeweg nach Europa. Porzellan galt in den königlichen Häusern als besonderes Luxusgut, das sich die Herrschaften einiges kosten ließen.

Die Wiederentdeckung in Meißen

Vollkommen vernarrt in das zarte edle Material soll der sächsische König August der Starke gewesen sein. Der umtriebige König soll einen Alchimisten Johann Friedrich Böttger beauftragt haben, echtes Gold herstellen zu lassen. Als diese Versuche kläglich scheiterten, bekam der Alchimist die königliche Order nun weißes Gold, also Porzellan, herzustellen. 1708 gelang Böttger in Meißen die Erfindung von Porzellan ein zweites Mal. An der Porzellanherstellung wesentlich beteiligt war Böttgers Vorgesetzter, der naturwissenschaftliche Gelehrte Ehrenfried Walther von Tschirnhaus, der auf dem Gebiet der Porzellanherstellung Pionierarbeit geleistet hatte. Durch seinen Tod im Jahr 1708 konnte der Naturwissenschaftler Tschirnhaus die Porzellanproduktion in Meißen nicht mehr weiter verfolgen, die nun ganz in den Händen Böttgers lag.

Foto: Porzellanmanufaktur Meissen (© Robert)

Andere Fürstenhäuser im heiligen römischen Reich deutscher Nation und Europa taten es dem sächsischen König bald nach. Es entstanden Porzellanmanufakturen in Wien 1718, gefolgt von Chelsea London 1745. Zwei Jahre später hatte das Haus Fürstenberg eine eigene Porzellanmanufaktur, und im selben Jahr kam auch die Nymphenburger Produktionsstätte hinzu. Im Verlauf des siebenjährigen Krieges kamen Porzellanmacher und das Geheimnis der Porzellanherstellung auch nach Preußen. 1763 wurde dort die Königlich Preußische Porzellan-Manufaktur gegründet.

Zunächst nutzte man Porzellan auf den fürstlichen Tafeln als Service für Kakao und Kaffee, zwei Getränke, die Anfang des 18 Jahrhunderts in Mode gekommen waren. Hatte man bislang fast ausschließlich von Gold- und Silberservice gespeist, löste nun Porzellan vor allem Gold als Essgeschirr ab. Porzellan änderte aber nicht nur die höfische Ess- und Tafelkultur. Gerade im Verlauf des 18. Jahrhunderts waren aufwändig gestaltete Porzellanservice weit mehr als nur Tafelgeschirr. Die absolutistischen Herrscher erkannten bald, welche positiven Wirkungen man mit einem Porzellanservice als diplomatischem Geschenk erzielen konnte. Ganze Tafelservice sowie prächtige Einzelstücke wurden aus diesem Anlass hergestellt und an fremde bzw. befreundete Königshäuser geschickt. Damit war der Gebrauch eines Tafelservice noch lange nicht ausgereizt. Mit großer Begeisterung kamen kostbare Porzellanservice auch als Aussteuergeschenk für Prinzessinnen zum Einsatz, um ein dem Stand entsprechendes Leben auch nach der Hochzeit zu gewährleisten. Daneben war die Werbewirkung eines solchen Geschenkes für die jeweilige Manufaktur nicht zu unterschätzen.

Porzellanherstellung heute

Ohne die moderne maschinelle Fertigung wäre Haushaltsporzellan kaum bezahlbar.

Foto: Kahla-Werk (© Robert) Foto: Kahla-Werk (© Robert) Foto: Kahla-Werk (© Robert) Foto: Kahla-Werk (© Robert) Foto: Kahla-Werk (© Robert)

Formen, Entgraten, Schleifen, Transportieren, Brennen: moderne Porzellanherstellung am Beispiel des KAHLA-Werkes.